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„5G (4G) Broadcast“ Versuchsbetrieb in Wien

Die Medienbehörde KommAustria hat der der Österreichischen Rundfunksender GmbH & Co KG (ORS) einen Versuchsbetrieb im „5G-Broadcast“ Modus genehmigt.

Gesendet werden soll auf 739 MHz mit 10 MHz Bandbreite, im Modus feMBMS. Als Sendestandorte dienen der Sender Kahlenberg und Liesing als Gleichwellennetz (SFN). Mit den beiden High-Power-High-Tower Sendeanlagen soll eine Sendeleistung mit je ca. 39,5kW ERP genutzt werden. Inhaltlich werden ORF 1 & 2 sowie die drei Landesweiten ORF Radioprogramme übertragen. Privatsender sind eingeladen, um sich an diesem Projekt zu beteiligen.

Die Zulassung ist vom 01.12.2019 bis 30.06.2020 befristet. Ursprünglich wurde die Testphase bis 2021 beantragt, jedoch nur bis Juni 2020 genehmigt, da Versuchsbetriebe maximal auf ein Jahr befristet sind. Des weiteren ist im zugelassenen Frequenzbereich laut Frequenznutzungsplan derzeit nur eine befristete Nutzung für Rundfunk vorgesehen.

Versuchsbetrieb allerdings nur in 4G

Den Versuchsbetrieb als 5G-Broadcast zu bezeichnen ist allerdings ein wenig irreführend. Aus dem Bescheid ist zu entnehmen, dass der Betreiber den Pilotbetrieb mittels „feMBMS/LTE/4G“ durchführen möchte. Es handelt sich also nicht um den neuen Mobilfunkstandard 5G sondern um den „alten“ Standard LTE-4G.

Neben der Erprobung des Broadcastmodus feMBMS sollen zukünftig auch die neuesten Standardisierungen der 3GPP-Releases, Release 16 und 17 in den Testbetrieb mit eingebunden werden. 3GPP steht für 3rd Generation Partnership Project und ist ein Zusammenschluss von sieben Standardisierungsgremien zur Entwicklung und Vereinheitlichung von Mobilfunkstandards. Da allerdings das Release 16 erst im Sommer 2020 und Release 17 frühestens im dritten Quartal 2021 vollständig spezifiziert sein soll, ist ein Versuchsbetrieb mit diesen Releases sehr unwahrscheinlich.

Im Bescheid wird vom Antragsteller auch auf die Verfügbarkeit von Endgeräte bzw. einer zweiten Testphase ab 2021 hingewiesen. Aufgrund des Standardisierungsprozess der 3GPP ist es allerdings fraglich, ob es schon Marktreife Endgeräte geben wird.

Forschungsergebnisse fraglich

Grundsätzlich sind Erprobungen und ausreichende Testphasen neuer Technologien zu begrüßen. Allerdings ist die Sinnhaftigkeit bzw. der Gewinn neuer Erkenntnisse bei diesem Pilotprojekt eher fragwürdig. Ein nahezu identisches Testszenario wurde in Bayern beim bereits abgeschlossenen Forschungsprojekt „5g-Today“ aufgebaut und getestet. Beim Bayerischen Testbetrieb war auch das IRT beteiligt, an welchem wiederum der ORF mitbeteiligt ist. Der ORF ist wiederum mit 60% Mehrheitseigentümer der ORS Gruppe, dem Betreiber des Österreichischen Versuchsbetriebes.

Vielleicht wäre es besser gewesen noch ein wenig abzuwarten um die Technologie im „echten“ 5G-Modus zu erforschen. Aktuell betreiben einige Länder weltweit ähnliche Testszenarien, da möchte man dieses „Prestigeprojekt“ natürlich nicht auslassen.

Nutzen von 5G-Broadcast

Nachdem der „5G-Hype“ auch in Medienkreisen etwas abgeflaut ist, wurde u.a. die Nutzbarkeit von 5G im Broadcast Modus für den Hörfunk analysiert. Durch den höheren Frequenzbereich bräuchte man wesentlich höhere Feldstärken um eine gleiche Empfangsqualität wie z.b. DAB+ bieten zu können. Dieser Faktor würde auch die Kosten für die Programmanbieter erhöhen, ohne einen wirklichen Mehrwert zu schaffen. Da DAB+ bereits ein etablierter digitaler Hörfunkstandard ist, kann 5G-Broadcast diesen maximal ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Da das primäre Ziel von 5G-Broadcast die Videoübertragung ist, kann man davon ausgehen, dass DAB+ weiterhin als digitaler terrestrischer Radiostandard erhalten bleiben wird. Eventuell wird aber DVB-T2 zukünftig durch 5G-Broadcast abgelöst.

Ob 5G-Broadcast sich zukünftig als neuer Rundfunkstandard durchsetzen wird ist noch unklar. Ebenso ob dieser in zukünftigen mobilen Endgeräten implementiert sein wird – die Mobilfunkbranche zeigte sich bisher nicht erfreut.

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