Reduktion der UKW-MPX Modulationsleistung von +3 dBr auf 0 dBr

Nun ist es auch in Österreich (leider) soweit, dass bei UKW Sendeanlagen die MPX Modulationsleistungs „Toleranzgrenze“ von +3 dBr auf 0 dBr bei 75 kHz Hub gesenkt wurde.
Ab 1. Juli 2021 dürfen alle UKW Sendeanlagen eine maximale MPX Modulationsleistung von nur mehr 0 dBr aufweisen, wie es auch von der ITU (ITU-R BS.412-9) empfohlen wird.

Das bedeutet allerdings, dass nun alle Radioprogamme wesentlich leiser moduliert und auch das SNR dadurch abgenommen hat.
Die Umstellung ist bei nahezu allen Prgrammen schon erfolgt. Die ORS hat am 30.06 in der Nacht die MPX Power gesenkt, einige Privatradios haben das im Laufe des Tages am 30. Juni gemacht.
Interessant zu hören war der Unterschied, zwischen österreichischen Radios mit 0 dBr, nach der neuen Vorschrift und Sendern die noch mit bis zu +3dBr gesendet haben.

Mögliche Probleme in Österreich mit geringerer MPX Leistung

Ich finde die Entscheidung, in Österreich auch der ITU Empfehlung zu folgen, ein wenig problematisch (auch viele Radioanbieter).
Durch die Reduktion kann es teilweise zu Empfangsproblemen kommen – speziell an Rändern von Versorgungsgebieten, aber auch im Versorgungsgebiet. Weiters verlieren die Programme ein wenig die „Durchsetzungskraft“ gegen Gleichkanalsender bzw. auch Störer aus dem Ausland, die der Empfehlung nicht folgen. Rund um Österreich folgen der Empfehlung nur Deutschland, Tschechien und die Slowakei. Alle anderen Länder haben (noch) eine höhere Toleranz und sind dadurch wesentlich lauter.

Erste praktische Tests mit 0 dbr MPX Power

Ich selbst bin kein Freund der Reduktion, weil in meinen Ohren die Hörqualität abnimmt.
Durch die leisere Modulation wird rauschen, z.b. durch Reflexionen oder niedrigeren Signalpegeln schneller wahrgenommen als zuvor. Selbst bei Tests am 30. Juni bei bereits umgestellten Programmen in Wien konnte ich Störungen bzw. Rauschen hören, was mir vorher nicht wirklich aufgefallen wäre.
Es wird sicher auch „Interessant“, wenn man in Gebieten unterwegs sein wird, wo z.b. ungarische, slowenische, kroatische, italienische oder noch schweizer UKW Programme empfangbar sind – also fast ganz Österreich. Die Programme aus Österreich sind im Vergleich nun relativ leise bzw. dadurch auch eher unauffällig…
Ich bin auch gespannt wie das ganze im Inneralpinen Bereich funktioniert, wo Reflexionen nahezu durchgehend vorhanden sind.
Klanglich ist ebenfalls noch Luft nach oben. Da durch die Absenkung auch der Hub von allen Programmen abgenommen hat, senden einige Programme mit einem Hub von +/- 60 kHz – also relativ wenig. Für mich klingen dadurch die Sender ein wenig „fader“ bzw. „Energieloser“ (auch wenn das jetzt rein Subjektiv ist!). Eventuell kann man durch ein angepasstes Soundprozessing noch etwas mehr herausholen (Energy hat trotz 0 dBr nahezu wieder 75 kHz Hub – Klanglich merkt man das)…

Anpassung an Deutsche Normen?

Warum in Österreich die ITU Empfehlung jetzt umgesetzt wurde ist mir nicht ganz klar.
Da es sich ja nur um eine Empfehlung, keine EU-Vorschrift handelt hätte man die Toleranz von +3 dBr weiterhin behalten können.
In Deutschland wurde die ITU Empfehlung schon vor mehr als einem Jahrzehnt umgesetzt. Es war das erste mir bekannte Land, in dem eine 0 dBr Grenze eingeführt wurde und auch kontrolliert wird.
Da es u.a. etwas Druck speziell von deutscher Seite auf die Behörden gegeben hat, wurde die Empfehlung nun auch in Österreich umgesetzt…

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